Kategorie-Archiv: Verkehrspolitik

Warum ich die Motorrad-Parkplatzbewirtschaftung falsch finde:

Ich nehme an, die meisten haben die neuen Motorradfeldchen schon gesehen, die neuerdings überall in der Innenstadt und im Umfeld des Bahnhofs SBB aufgemalt werden. Sie sind Teil der vom Grossen Rat beschlossenen Motorrad-Parkplatzbewirtschaftung mit der ich aus folgenden Gründen so nicht einverstanden bin:

  • Knappe Güter sind zu zwar bewirtschaften, aber mit den Motorräder hatten wir bis auf ganze wenige Ausnahmeorte (z.B. Bahnhof SBB) keine Probleme. Selbst im Umfeld des pulsierenden Barfüsserplatzes und bei der Uni funktionierte das Abstellen dieser Fahrzeuge relativ unproblematisch. Die überwiegende Mehrheit der Motorrad und Scooterhalter schauen wie die meisten Velofahrer, dass sie das Fahrzeug so abstellen, dass niemand behindert wird.
  • Die durchaus vorhandene Schadstoff-Problematik sollte man mit anderen Massnahmen bekämpfen (Elektroscooter, Katalysator-Pflicht, Schadstoff-Vorschriften etc.).
  • Politisch gesehen ist der Zeitpunkt sehr ungeschickt gewählt, da er die Kritik mit der aufgebauschten Kritik am Verkehrsregime kumuliert.
  • Die gewählte Umsetzungsform ist zwar einfach, aber führt zu unerwünschten Nebeneffekten:
    • Velos dürfen nicht mehr auf die Motorradfelder gestellt werden. Da voraussehbar ist, dass dies trotzdem geschieht, heisst das folgendes:
      •  Velos müssen weggeräumt werden, d.h. eine wahrlich attraktive Arbeit für unsere Polizei.
      • Wenn es die Polizei nicht macht, machen es die Motorradfahrer. Diese stellen sie daneben. Es ist voraussehbar, dass eine Unordnung entstehen.
      • Velos haben weniger Alternativen und zum Teil weitere Wege. In gewissen Strassen (z.B. Leonhardsgraben) hatte es vorher zwei (oder mehr) gemischte Felder, die nun aufgeteilt werden müssen. Das ist auch für die Velofahrer eine eklatante Verschlechterung.
      • Velos werden vermehrt auf dem Trottoir parkiert (weil Velofahrer weite Wege definitiv nicht mögen) und führen dann öfters zu Behinderungen. Dies wiederum steigert den Unbill gegen Velofahrer.
    • Da die Abstellmöglichkeiten für Velos und Motorräder schlechter werden, ist das Gebiet für beide weniger attraktiv (auch wenn man gewillt ist zu zahlen).

Fazit:

Eigentlich hat das Zusammenleben Motorräder und Velos bezüglich Abstellanlagen doch bestens geklappt und kein wirkliches Problem war vorhanden. Obwohl ich der Meinung bin, dass die Umsetzung auch kundenfreundlicher ausgestaltet werden hätte können, möchte ich vor allem die Grossräte mahnen, die diese Kritikpunkte einfach ignoriert haben und ungeachtet der schon damals erwähnten Umsetzungsprobleme die Bewirtschaftung durchboxten. Ideologische Politik führt auch auf der Gegenseite zu einer ideologischen Haltung. Grundsätzlich wollte man aus meiner Sicht in zu kurzer Zeit zu viel. Durch zu viel Durchsetzung von Ideen mit ideologischem Hintergrund sind wahrlich gehässige Diskussionen entstanden. Dadurch entstehen auch Gegenbewegungen mit ebenso ideologischem Hintergrund: Nun wird für eine Initiative Unterschriften gesammelt, die – meine Einschätzung – grosse Chance hat, angenommen zu werden und die Bewirtschaftung von Zweirad-Abstellanlagen auf Allmend generell verbiete . Dann kann man nicht mal mehr an sinnvollen Orten, an denen aus Platzgründen eine Bewirtschaftung Sinn macht, eine solche einführen. Das wiederum schadet auch den Motorradfahrern (ich beispielsweise zahle oft den 1.- am Bahnhof für den Veloparkplatz nahe bei den Geleisen).